Computerspiele im Literatur-Unterricht

Auf Golem.de wurde kürzlich ein Videointerview mit dem frisch gekürten Lehrer Christoph Brüning veröffentlicht (s.u.). Er setzte verganges Jahr als Referendar in NRW ein Harry Potter Spiel im Deutschunterricht der Oberstufe ein. Es ging um Raumanalyse, Medientransfer usw.. In dem vierminütigen Video erläutert seine Herangehensweise. Und bestätigt  nebenbei wiedereinmal, dass die Medienausstattung der Schulen meist immer noch bescheiden ist – und er unterrichtete immerhin an einem Gymnasium: “Das absolut schwierigste war, freie Zeit im Informatikraum zu bekommen”, so Brüning.

Weiter in ‘Computerspiele im Literatur-Unterricht’

Unternehmensstrategie mit Hilfe der Siedler von Catan

Im sagenumwobenen Silicon Valley an der US-Westküste hat das Brettspiel “Siedler von Catan” zu neuen Weihen gefunden. In einem Beitrag im Wall Street Journal wird berichtet, dass Geschäftsleute, nicht zuletzt von “Web 2.0″ Firmen, das Brettspiel nutzen würden. Nicht nur als soziales Moment nach einem langem Arbeitstag vor dem Bildschirm, sondern auch deswegen, weil das Spielverhalten “sehr genau unternehmerischen Strategien” abbilden würde. Es müssten mit Ressourcen gehaushaltet, aber auch gehandelt werden. Die Zufallszahlen der Würfel erforderten ein stetige Neuausrichtung der “Businessstrategie”.

Andernorts wird ein Ökonom erwähnt, der meint, per Siedler von Catan, könne Kindern grandios das System der freien Marktwirtschaft beigebracht werden.

Übrigens widmete auch The Wired dem Spiel verganges Jahr einen langen Artikel: “Monopoly Killer“.

(via Educational Games Research)

Spielbaukasten Kudo für PC

Kudo ist ein Spielbaukasten, der Kinder ab 8 Jahren an logisches Denken und Programmiergrundlagen heranführen soll. Seit vergangenen Sommer gibt es die Software für die Xbox 360 (freie Demo und kostenpflichtig) – jetzt ist eine neue Version für den PC (Win) erschienen. Sie nennt sich “Technical Preview”, kann kostenlos von den Seiten der Microsoft Labore heruntergeladen werden (nur in Englischer Sprache). Als wichtigste Neuerung bringt sie ein überarbeites User Interface (UI) mit, das keinen Joystick/Gamepad oä. mehr benötigt, sondern einzig auf Tastatur und Maus setzt.

Mit der Software lassen sich recht komplexe Spiele programmieren, wie ein australischen Schulprojekt zeigte. In der herangehensweise erinnert sie an den freien Programmierbaukasten Scratch – sieht aber wesentlich chicer aus (siehe Videos unten – Mastermind und Portal Umsetzungen) und ermöglicht die Kreation von 3D-Spielen. Schulen setzen die Software ein, etwa diese Grundschule in Michigan.  Ein ausführlicher Artikel über die Software und das Team dahinter findet sich bei Edge (Engl.). Und hier noch das Blog der Kudo Entwickler und der Twitter-Account eines Entwicklers.
Weiter in ‘Spielbaukasten Kudo für PC’

Versuch über eine Lerntheorie

Der von ihm konstatierten “Theorielosigkeit” in Sachen game-based-learning trat vergangenes Jahr Michael Wagner von der österreicherischen Universität Krems entgegen. Er leitet dort den Fachbereich “Applied Game Studies”.  In einer Serie von Blogartikeln beschreibt er in einer recht wissenschaftlich gehaltenen Sprache seinen Ansatz für eine Lerntheorie des Game Based Learning. Alles recht kompliziert, aber lesenswert – Wagner versucht ein Modell zu entwickeln, warum und wie die auch hier im Blog oft behauptete Eignung von Bildschirmspielen für das Lernen funktioniert.

Der vierte Teil über die didaktische Praxis steht noch aus – die anderen Teile der Artikelserie finden sich hier:

Weiter in ‘Versuch über eine Lerntheorie’

Kurz+knapp: Futurelab-Podcasts, Lehrer Mario Fileccia, JIM Studie 2009

futurelab

  • Bei der britische Non-Profit Organisation Futurelab findet sich ein Podcast zum Thema “Games and Learning” – dort kommen verschiedene Praktiker zu Wort, die u.a. erklären, warum der Einsatz von Lernspielen der Medienkultur von Kindern und Jugendlichen entspricht. Schön auch das Plakat zu “Possibilities for Learning with Computergames” (pdf – siehe Illustration).
  • In der ZEIT fand sich unlängst unter der Überschrift “Klug, aber gefährlich?” ein Text über Lernspiele im Unterricht. Der Titel deutet an, wie unsicher das Bildungsbürgertum dem Thema noch gegenüber steht – als Kronzeuge für den Einsatz von Spielen kommt Lehrer Mario Fileccia zu Wort, dessen Website einige interessante Texte zur Medienpädagogik vorhält.
  • Vor kurzem erschien die JIM-Studie 2009 des Medienpädagogischen Forschungverbundes Südwest. Die 12. Untersuchung zu “Jugend, Information, (Multi-)Media” seit 1998 widmet erstmals ein spezielles Kapitel dem Thema “Computer-/Konsolen- und Onlinespielen” (S. 39ff.): Demnach spielen von den befragten 1.200 Jugendlichen (zwischen 12 und 19 Jahren) 45% mehrmals pro Woche Spiele – 22% der Mädchen und 67% der Jungen. Etwas vage sind die Formulierungen in Sachen “gewalthaltige Spiele” gehalten; so wird bei dem Thema auf Schätzungen der befragten Jugendlichen verlassen, was den Verbreitungsgrad in ihrem Freundeskreis ausmacht  (via @spielbar).

Bertelsmann verkauft scoyo an sich selbst

Gestern wurde bekannt, dass Bertelsmann sein mißglücktes Experiment, die Lernspielfplattform scoyo, verkauft hat. Der Käufer ist der Sender SuperRTL – der gehört zu 50 Prozent  Walt Disney und zur anderen Hälfte der RTL-Group – die wiederrum gehört zu 90 Prozent Bertelsmann. Damit scheint der “Verkauf” von scoyo vor allem ein kreativer Umgang mit der Finanzbuchhaltung im Hause Bertelsmann zu sein. Offenbar hat sich kein externer Investor gefunden.

Die scoyo-Inhalte werden in das Angebot der Online-Kinderplattform Toggolino von SuperRTL integriert, berichtet Meedia. Die meisten der 50 Mitarbeiter  von scoyo werden demnach nicht übernommen.

play09-Festival: Unentdeckte Insel

play09 Creative Gaming

Drei Tage dauerte das play09-Festival in Potsdam Anfang Dezember. Zum zweiten Mal ging es in der Brandenburger Hauptstadt um “kreatives Computerspielen” – eine weite Bandbreite dieser Nische war im “Schaufenster” der dortigen Fachhochschule zu sehen: Neben zahreichen Spiel-und Arbeitsstationen nebst Installationen gab es die Entwicklung eines Computerspiels in drei Tagen, Tastaturumbau für den freien Guitar Hero Klon “Frets on Fire”, Basteln mit der Wii-Motes, Tänze im Netzwerkshooter “Urban Terror”, Blauhelmrekrutierung für ebensolche Egoshooter, zahlreiche Vorträge usw. – mehr dazu im play09-Blog.

Für mich persönlich, der an der Vorbereitung beteiligt und während der Festivaltage im Werkstattbereich tätig war, verging eine spannende Zeit. Denn letztlich waren in das Event ein relevanter Teil der Personen aus dem deutschsprachigen Raum eingebunden, die sich aus künstlerischer und/oder pädagogischen Sicht mit dem Medium beschäftigen. Für Austausch und Inspiration war also gesorgt.

Weiter in ‘play09-Festival: Unentdeckte Insel’

Warum scoyo scheiterte: “In der Natur eines Startups”

scoyo_start
Warum Bertelsmann Lernspielplattform scheiterte und wie sie hätte funktionieren können

Mit millionenschweren Budget versuchte scoyo erfolglos Eltern vom Nutzen seines Nachhilfe-Onlinedienstes zu überzeugen. Im Gespräch  mit Beteiligten und eLearning-Experten über  Konzeptionsfehler und die Mög­lichkeiten, mit Lernspielen im Netz po­sitive Bilanzen zu erreichen.

DISCLAIMER (4.12.09): Auf Bitten des scoyo Pressesprechers wurde eines seiner Zitate aus dem Text entfernt.  Der Sinngehalt des Beitrags wird damit nicht beinträchtigt.

UPDATE (15.12.2009): Bertelsmann verkauft scoyo an SuperRTL – der Sender gehört zu knapp 50 Prozent zu Bertelsmann (mehr Infos hier im Blog).

Die Suche nach dem heiligen Gral des In­ternets geht weiter: Wie verdient man Geld mit Webdiensten? Nutzer des Netzes sind es ge­wohnt, alles für „free“ zu bekommen; auf die Zahlungsbereitschaft von Online-Kun­den zu setzen, gleicht einem Vabanque-Spiel – die kostenlose Konkurrenz ist meist nur einen Klick entfernt. In diese raue Um­geb­ung machte sich vor rund einem Jahr die On­line-Plattform scoyo auf. Sie richtet sich an Schüler und versucht mit Prinzipien des spiel­basierten Lernens (game-based-lear­ning) den Schulstoff der Klassen eins bis sieben zu vermitteln. In „Lernwelten“ werden ani­mierte Comicfilme mit interaktiven Ele­menten gepaart, Fragen zu Fächern wie Mathematik, Biologie oder Englisch behandelt. „Lernen kann viel Spaß machen!“ lautet das Motto – „muss aber auch bezahlt werden“, ließe sich still ergänzen: Im Frühjahr 2009 führte das werbefreie scoyo nach der kostenlosen Betaphase ein Bezahlmodell ein. Je nach Laufzeit des Abos fallen zwischen zehn und zwanzig Euro im Monat für „Lern­pakete“ an. Die Hoffnung war, damit einen Fuß in den so genannten Nachmittagsmarkt zu bekommen – eine Milliarde Euro, so die Schätzungen, werden in Deutschland jährlich für Nachhilfe ausgegeben.
Weiter in ‘Warum scoyo scheiterte: “In der Natur eines Startups”’

Zwei Mathematik-Spiele: “game-based-maths”

mangahigh

Spielbasierte Mathematik – zwei englischsprachiege Spiele versuchen das für viele Schüler_innen oft eher unbeliebte Fach anders zu vermitteln.

Mit einer Art Egoshooter wagt sich die Firma Tabula Digita an das Thema. Statt einem 2D-Game á la Multimedia-CD-ROM wird hier in aus der Ich-Perspektive Mathematik angegangen: DimensionM – so der Titel des Spiels (siehe Video unten). Seit 2007 wird dieses Spiel immer weiterausgebaut; es bietet Mutliplayer-Modi und ermöglicht Wettbewerbe unter den Schüler_innen – rund 700 Schulen in den USA arbeiten mit dem Spiel. Kommendes Jahr soll es auch eine Version für die Nutzung von zuhause aus geben.

Laut einer Studie mit 250 Schüler_Innen der Sekundarstufe I  an zehn US-Schulen  wird das Spiel DimensionM von den Lernenden überwiegend positiv aufgenommen.

Weiter in ‘Zwei Mathematik-Spiele: “game-based-maths”’

Unreal Engine 3: Entwicklungs-Kit kostenlos

Es scheint ein Trend zu sein: Epic, die Firma hinter der Unreal Engine (Unreal Tournament, Gears of War usw.), veröffentlichte unlängst eine Entwicklungsumgebung für die dritten Generation ihrer Middleware. Dieses Developer Kit (nur Windows) ist für nicht-kommerzielle Zwecke kostenlos zu nutzen. Mit der ebenfalls seit kurzer Zeit kostenloser Engine Unity (Win und Mac) stehen jetzt schon zwei potente Gamedesign-Werkzeugkisten zur freien Verfügung.

(via Game Politics)