Gestern wurde bekannt, dass Bertelsmann sein mißglücktes Experiment, die Lernspielfplattform scoyo, verkauft hat. Der Käufer ist der Sender SuperRTL – der gehört zu 50 Prozent Walt Disney und zur anderen Hälfte der RTL-Group – die wiederrum gehört zu 90 Prozent Bertelsmann. Damit scheint der “Verkauf” von scoyo vor allem ein kreativer Umgang mit der Finanzbuchhaltung im Hause Bertelsmann zu sein. Offenbar hat sich kein externer Investor gefunden.
Die scoyo-Inhalte werden in das Angebot der Online-Kinderplattform Toggolino von SuperRTL integriert, berichtet Meedia. Die meisten der 50 Mitarbeiter von scoyo werden demnach nicht übernommen.

Drei Tage dauerte das play09-Festival in Potsdam Anfang Dezember. Zum zweiten Mal ging es in der Brandenburger Hauptstadt um “kreatives Computerspielen” – eine weite Bandbreite dieser Nische war im “Schaufenster” der dortigen Fachhochschule zu sehen: Neben zahreichen Spiel-und Arbeitsstationen nebst Installationen gab es die Entwicklung eines Computerspiels in drei Tagen, Tastaturumbau für den freien Guitar Hero Klon “Frets on Fire”, Basteln mit der Wii-Motes, Tänze im Netzwerkshooter “Urban Terror”, Blauhelmrekrutierung für ebensolche Egoshooter, zahlreiche Vorträge usw. – mehr dazu im play09-Blog.
Für mich persönlich, der an der Vorbereitung beteiligt und während der Festivaltage im Werkstattbereich tätig war, verging eine spannende Zeit. Denn letztlich waren in das Event ein relevanter Teil der Personen aus dem deutschsprachigen Raum eingebunden, die sich aus künstlerischer und/oder pädagogischen Sicht mit dem Medium beschäftigen. Für Austausch und Inspiration war also gesorgt.
Weiter in ‘play09-Festival: Unentdeckte Insel’

Warum Bertelsmann Lernspielplattform scheiterte und wie sie hätte funktionieren können
Mit millionenschweren Budget versuchte scoyo erfolglos Eltern vom Nutzen seines Nachhilfe-Onlinedienstes zu überzeugen. Im Gespräch mit Beteiligten und eLearning-Experten über Konzeptionsfehler und die Möglichkeiten, mit Lernspielen im Netz positive Bilanzen zu erreichen.
DISCLAIMER (4.12.09): Auf Bitten des scoyo Pressesprechers wurde eines seiner Zitate aus dem Text entfernt. Der Sinngehalt des Beitrags wird damit nicht beinträchtigt.
UPDATE (15.12.2009): Bertelsmann verkauft scoyo an SuperRTL – der Sender gehört zu knapp 50 Prozent zu Bertelsmann (mehr Infos hier im Blog).
Die Suche nach dem heiligen Gral des Internets geht weiter: Wie verdient man Geld mit Webdiensten? Nutzer des Netzes sind es gewohnt, alles für „free“ zu bekommen; auf die Zahlungsbereitschaft von Online-Kunden zu setzen, gleicht einem Vabanque-Spiel – die kostenlose Konkurrenz ist meist nur einen Klick entfernt. In diese raue Umgebung machte sich vor rund einem Jahr die Online-Plattform scoyo auf. Sie richtet sich an Schüler und versucht mit Prinzipien des spielbasierten Lernens (game-based-learning) den Schulstoff der Klassen eins bis sieben zu vermitteln. In „Lernwelten“ werden animierte Comicfilme mit interaktiven Elementen gepaart, Fragen zu Fächern wie Mathematik, Biologie oder Englisch behandelt. „Lernen kann viel Spaß machen!“ lautet das Motto – „muss aber auch bezahlt werden“, ließe sich still ergänzen: Im Frühjahr 2009 führte das werbefreie scoyo nach der kostenlosen Betaphase ein Bezahlmodell ein. Je nach Laufzeit des Abos fallen zwischen zehn und zwanzig Euro im Monat für „Lernpakete“ an. Die Hoffnung war, damit einen Fuß in den so genannten Nachmittagsmarkt zu bekommen – eine Milliarde Euro, so die Schätzungen, werden in Deutschland jährlich für Nachhilfe ausgegeben.
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